Der Karate Papst Ed Parker

Er war Leibwächter und Karate-Lehrer von Elvis Presley und hatte fast alle Karate-Größen der USA als Schüler. Als Begründer des Kempo-Karate ist er zu einer historischen Figur der Kampfsportszene, ganz besonders in den USA, geworden.

Der Begründer des Kempo-Karate

Ed Parker, der 1931 auf Hawaii geboren wurde, war einer der wichtigsten Männer in der Kampfsportdomäne Nord- und Südamerika. Er hat einen Verband geschaffen, der mittlerweile 35000 Mitglieder hat. Sein Stil, das Kempo-Karate, will vor allen Dingen eines – auf der Straße wirkungsvoll sein.

Kempo Karate

Ed Parker war nicht nur Karate-Lehrer und über viele Jahre hinweg auch Leibwächter von Elvis Presley. Er knüpfte auch für Bruce Lee die ersten Kontakte zum Fernsehen und ins Hollywood-Filmgeschäft. Ein Gespräch mit Ed Parker, allein auf sein Kampfsport leben begrenzt, würde wahrscheinlich eine komplette Ausgabe unserer Zeitschrift füllen. Deshalb haben wir uns bei diesem – was wir damals noch nicht ahnen konnten – letzten Interview mit Ed Parker damit begnügt, herauszufinden, wie er die Kampfsporttechniken in Angriff nimmt und vermittelt, kbj: In welchem Alter haben Sie mit dem Karate angefangen?

Aus den Slums von Hawaii

Er wurde in einer sehr schwierigen Gegend auf Hawaii geboren. Viele seiner gleichaltrigen Bekannten sind zu Dieben geworden, die Banken ausgeraubt und andere kriminelle Dinge gemacht haben. Sie haben auch versucht, ihn für so etwas zu kriegen. Aber sein Vater war ein sehr religiöser Mensch. Er mußte ihm gehorchen, ihm und seinen Idealen. Man konnte den anderen aber nur mit physischer Kraft „nein“ sagen. Einfach nur „nein“ zu sagen, galt für die nichts. Sie verstanden nur die Sprache der Gewalt und des Kampfes.

Kampfsport als Lebensphilosophie

Für Ed Parker war Kampfsport eine Lebensphilosophie. Es ist ein wertvoller Weg für Kinder wie für Erwachsene, für ihre Reife, für ihr Selbstwertgefühl und für ihr Selbstvertrauen. Die Fähigkeit, das Vertrauen anderer zu gewinnen, ist auch sehr vorteilhaft für das berufliche Leben. Man wird unabhängiger, kann in erster Linie für sich selbst und durch sich selbst arbeiten.

Seine eigene Kampfmethode

85% seiner Methode sind aus seiner eigenen Praxis entstanden. Er war immer ein „Rebell“, d. h. hat er sich nie Traditionen unterworfen. Er war auf Hawaii ein sehr guter Straßenkämpfer und viele Karatekämpfer könnten so mit Leichtigkeit geschlagen werden. Das ist nicht das Problem, nicht der Kern des Kempo Karate. Er hat einige Sachen entwickelt, die durchaus eine Kampfkunsttechnik sind oder es sein könnten, die jedoch eher praktisch als klassisch sind. John El Sullivan boxte auf eine ganz spezifische Weise. Heute würde er damit im Ring verlieren. Das, was Ed Parker entwickelt habe, basiert auf Beobachtungen von denjenigen, die damals auf der Straße kämpften. Er war schon der Meinung, dass dies eine Kunst ist. Aber er hat es nicht entwickelt, um daraus eine Kunstart entstehen zu lassen, sondern betrachtete es eher als eine Wissenschaft. Er hat es erarbeitet, um diese Möglichkeiten erklären und anwenden zu können.

Ed Parker ist tot! (Marz 19, 1931 – Dezember 15, 1990)

So unglaublich dieser Satz auch klingen mag, er ist dennoch wahr. Denn wer Ed Parker kannte, dachte wirklich, dass diese Ausnahmeerscheinung ewig leben würde, soviel Energie und Lebensfreude ging von ihm aus. Wer war dieser Mann, der so viele Ehrentitel besaß und als „Father of American Karate“ gepriesen wurde?

Karate Parker

Ed Parker wurde 1931 auf Hawaii geboren und verbrachte dort den größten Teil seiner Jugend. Diese Tatsache brachte ihn zwangsläufig mit allen möglichen westlichen und vor allen Dingen mit asiatischen Kampfkünsten zusammen, da Hawaii in den vierziger und fünfziger Jahren der Schmelztiegel für asiatische Flüchtlinge und Einwanderer schlechthin war.

Aufgrund der enormen sozialen Spannungen waren zu dieser Zeit Schlägereien, Überfälle und Unruhen an der Tagesordnung. So blieb es nicht aus, dass der junge Edmund begann, sich in verschiedenen Kampfkünsten zu betätigen, bevor er schließlich von Professor Chow in seine „selective dass“, die aus nur 6 Schülern bestand (von denen 5 dann später Kampfkunstgeschichte schrieben), aufgenommen wurde.

Professor Chow hatte seinen chinesischen Familienstil mit dem Koshu-Ryu Kempo des Japaners James Mitose verknüpft und war zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangt, die schließlich viel später von seinem Lieblingsschüler Ed Parker noch weiter verbessert, ja sogar revolutioniert wurden.

Ed Parker wurde mit der Fortführung der Kempo-Tradition durch Prof. Chow beauftragt, wobei er auch zu James Mitose ein freundschaftliches Verhältnis aufrechterhielt, das von großem, beiderseitigem Respekt getragen wurde. Ed Parker brachte das Kempo-Karate in den fünfziger Jahren auf das US-amerikanische Festland und wurde damit zum vielbewunderten „ Vater des amerikanischen Karate”.

amerikanisches Karate
Church Norris & Ed Parker

Um jedoch die Kampfkunst an den europäischen Menschentyp anzupassen und an die veränderte Umwelt eines Großstadtdschungels, entwickelte er seine revolutionären Theorien und Konzepte, die manchen traditionellen Puristen in einen Schockzustand versetzten.

Immer jedoch war Ed Parker die Wahrung sinnvoller Tradition ein Anliegen. Genauso konsequent ersetzte er aber auch Mystik durch Logik und gesunden Menschenverstand und das hieß für den Universitätsabsolventen der Psychologie und Soziologie ein volles Ausschöpfen seiner Kenntnisse in Physiologie, Mechanik, Biologie, Physik, etc.

Jedes Konzept wurde von allen Richtungen beleuchtet und diskutiert, bevor es vor seinen Augen Gnade finden konnte. So war das Krafttraining schon vor Jahrzehnten kein Tabu für ihn und als alle Welt noch von Toleranz gegenüber anderen Stilarten und der Möglichkeit, untereinander Wettbewerbe zu veranstalten, redeten, hatte er schon lange die „Long Beach Internationais” ins Leben gerufen, die auch heute noch die größten, systemübergreifenden Kampfkunstmeisterschaften der Welt sind. Dass man sich der zwingenden Logik seiner Argumentation und seinem unglaublichen Charme nicht entziehen konnte, das beweist die endlos lange Liste seiner prominenten Schüler, wie z. B. Elvii Presley, Robert Wagner, Blake Edwards, Joe Hyans unc Elke Sommer – um nur einige zu nennen.

Aber auch prominente Kampfkünstler betrachteter Ed Parker als die letzte Instanz in Sachen Kampfkunst So sind Dan Inosanto, Larry Hartseil und Benny „The Jet’ Urquidez einige der berühmtesten „Kempo Karate Black-Belts” und sogar Bruce Lee wurde von Ed Parker unterrichtet und schließlich protegiert, denn auf den oben erwähnten Long Beach Internationais zeigte er zum ersten mal sein Jeet Kune Do und Ec Parker vermittelte ihm seine erste Filmrolle in „Die grüne Hornisse”.

All das kann leider von Ec Parker als Menschen nur sehr wenig vermitteln. Bei Prüfungen und Seminaren begegnete man ihm stets mit größten Respekt und Ehrfurcht und es geschah nicht selten, dass er zur größten Überraschung des „Betroffenen” diesen spontan und stürmisch in die Arme nahm, eben väterlich, eben menschlich. Denn es war ihm immer wichtig, daß man in ihm nicht nur den Martial Artist sah, sondern den Menschen Ed Panken. Jeden, den einmal die Gelegenheit hatte, Ed Panken persönlich kennenzulernen, ihn beim Training und privat zu erleben, konnte diesen Mann nur mögen.

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