Die Karate Wado-Ryu Technik

Der Begründer des Stils Wado-ryu, Hironori Ohtsuka, war zweifelsohne der letzte große Meister des traditionellen Karate in Japan. Wir erzählen Ihnen auf den nachstehenden Seite das beispielhafte Leben dieses Meisters der Kampfkünste.

Hironori Ohtsuka war eine einmalige, fast legendäre Persönlichkeit. Trotz seines alters war er immer noch sehr rüstig. Ohtsuka zählte zu den ganz großen Meistern des traditionellen Karate, man könnte sogar sagen, dass er der letzte große Meister war.

Man muss vor allem festhalten, dass er der Begründer des Wado-ryu-Stils ist (wa, der Frieden; do, der Weg). Es handelt sich dabei um eine Form der Kampfkunst Karate, die in der ganzen Welt inzwischen abertausende von Anhängern gefunden hat.

Karate Wado-Ryu Technik

Meister Ohtsuka hat seine Methode nicht von einem Tag auf den anderen gegründet. Sie ist das Ergebnis einer ständigen Suche und eines täglichen unermüdlichen Trainings. Wo immer er auch war, der Meister fand Zeit und Wege, sich seiner Kampfkunst zu widmen. Nur im Flugzeug fehlte ihm der Platz! Aber kaum war er in einem Hotel angekommen, begann er sich mit einem improvisierten „Dojo” von 2 qm Größe von den Reiseanstrengungen zu erholen, indem er unter den Augen des verschreckten Gepäckjungen zu einer Reihe blitzschneller Faustschlag-Übungen ausholte. Vielleicht war darunter gerade sein Zweimillionster Tsuki oder Mae-geri…

Horonori Ohtsuka wurde am 1. Juni 1882 in Ibaragi-Ken geboren. Schon in seiner Kindheit machte er mit dem Budo Bekanntschaft. Im Alter von 6 Jahren wurde er in den Jujutsu-Sport eingeführt. Die zu dieser Zeit sehr strengen Ausbildungsbedingungen beim Budo bildeten die solide Grundlage für seine Zukunft.

MEISTER IM ALTER VON 29 JAHREN

Im Frühjahr 1911 erweiterte er seine Kenntnisse, indem er an verschiedenen Formen des Jujutsu arbeitete und sich schließlich zehn Jahre später für den Yoshin-ryu jujutsu dai entschied. Der große Meister dieses Stils ist Nakayama, shinsaburo-yuki-oshi, 3. lemoto, d.h. die 3. Generation von Vater zuSohn arbeitet an diesem Stil. Im Alter von 29 Jahren erhält Ohtsuk den ‘Menkyo-Kaiden’, die höchste Auszeichnung, die im Budo zu vergeben ist. Diesen Titel gibt es auch heute noch, und er besitzt eine höheren Stellenwert als die Dan. Mit diesem Diplom wurde ihm auch der Titel eines Shihan (Meister) verliehen. Im Alter von neunundzwanzig Jahren ist dies eine sehr seltene Auszeichnung.

Die Kampfkunst Karate trat dar auch in Japan immer mehr in Erscheinung. Ohtsuka widmete sich ihr mit großem Eifer. Er brachte sehr schnell zu einem der besten Schüler von Funakoshi Gishin, de Begründer des Karate. Heilgymnastik-Lehrer von Beruf, versuchte er eine Methode zu entwickeln, bei der die natürlichen Bewegungen des Körpers noch stärker harmonisiert würden. Auf diese Weise profitierte die Kampfkunst Karate von den Kenntnissen, die er sich beim Ju-Jutsu erworben hatte. So war er es, der beim Karate die Ausweichmanöver einführte. Auf Anraten seines Meisters arbeitete er, vom Frühling 1922, an den Grundtechniken seines Stiles, dem er den Namen ‘Wado-ryu’ gab. Er brauchte aber noch mehr als zehn Jahre um ihn zu vervollkommnen und vor allem dem Wettkampfsport anzupassen.

VIELE SCHÜLER UND DER ZEHNTE DAN.

Im Verlauf von genau vierzig Jahren ist die Zahl der Wado-Anhänger immer größer geworden. Damals zählt man 600 Klubs in Japan, die in Universitäten, Industrieunternehmen und privaten Vereinen zu finden waren. Im Ausland gab es vielleicht 100 Klubs.

Karate Wado-Ryu Training

Es war das große Ziel Ohtsukas, möglichst viele Schüler um sich zu versammeln. Im Verlauf der letzten zehn Jahre häuften sich die Auszeichnungen für den alten Meister, der sich ansonsten von irdischen Gütern getrennt hat.

Am 29. April 1966 wurde ihm als Anerkennung für seine Bemühungen um die Kampfkunst Karate und der Vereinigung aller Stilformen von Kaiser Hiro Hito die Kung-Goto-Auszeichnung überreicht. Am 9. Oktober 1972 zeichnete ihn der Präsident der Internationalen Budo-Vereinigung mit dem 10. Karate-Dan und dem Titel Meijin aus. Das Wort ist sehr schwierig zu übersetzen. Es bedeutet eigentlich Fachmann, aber ein Mann, der über einem Fachmann, einem Meister steht. Schließlich verlieh ihm noch der japanische Karate-Verband am 31. März 1974 den Titel eines Flanshi. Es ist der höchste Titel, der zu vergeben ist. Trotz dieser einmaligen Ehrungen ist Meister Ohtsuka immer ein erstaunlich einfacher Mann geblieben. Seine Freundlichkeit und sein Verständnis für die Dinge des Lebens haben ihn zu einem der Meister gemacht, von denen es in Japan leider immer weniger gibt.

Es war das Ziel von Ohtsuka, seine Anhänger durch Karate-do zur Selbstbeherrschung im Leben zu führen und eine nicht nur auf Muskelkraft basierende Haltung zu erreichen, die nach und nach zu Stolz und Unerschrockenheit führt. „Verschiedene Leute haben versucht, aus Karate ein Geschäft zu machen, sagte er, aber dadurch würde der eigentliche Wert dieser Kampfkunst zerstört und man könnte nicht mehr von Karate-do sprechen. In einer Zeit, in der das Individuum zu einer Beute der Gier nach persönlicher Macht wird, in der man sich nicht um Probleme kümmert, die einen nicht berühren, und in der man lieber empfängt als gibt, sollten die Worte des Meisters besonders gut beachtet werden. Zu viele Personen haben bisher ihr Vertrauen sogenannten Meistern geschenkt, die sich diesen Titel nur selbst verliehen hatten. Sie haben dann enttäuscht eine Disziplin aufgegeben, die ihnen sonst sehr viel geschenkt hätte.

Wir möchten mit einer chinesischen Redensart schließen, über die alle diese Hochstapler nachdenken sollten.

„Man kann manche Leute immer täuschen. Man kann eine gewisse Zeit jedermann täuschen. Aber man kann nicht jedermann immer täuschen.”

DIE WADO-RYU TECHNIK

Die Kampfkunst Wado-Ryu basiert auf der Flexibilität und der Schnelligkeit der Bewegungen. Bei der Einübung der Techniken wird mehr Wert auf Geschmeidigkeit als auf Muskelkraft gelegt. Man will natürlich keinen reinen Gymnastikanhänger ausbilden, sondern einen durchtrainierten Athleten. Wado-Ryu ist auch für Personen geeignet, die an einem körperlichen Gebrechen leiden. Es sollte auch noch unterstrichen werden, dass bei Techniken, die keinen großen Kraftaufwand erforderlich machen, diese Methode auch noch in einem fortgeschrittenen Alter angewandt werden und sehr wirksam sein kann. Meister Hironori Ohtsuka war das beste Beispiel. Man muß jedoch am Anfang Geduld haben, und die Tatsache akzeptieren, dass man sich einer Form des Karate widmet, die vielleicht weniger spektakulär als Shotokan ist.

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