Die Karate Waffen

Man spricht sehr viel über den Nunchaku. Zuviel, vielleicht. Und man vergisst, dass er nur ein Teil jener Waffen ist, die wohl wenig bekannt sind, aber außerordentlich wirksam sein können. Auch wenn sie schwierig zu führen sind, so wird jedoch der Karateka bei einer Ausbildung in ihrer Handhabung von einer Disziplin profitieren, die die ewigen und unerschöpflichen Werte des Budo auf sich vereinigt.

Die Karate-Waffen lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: die nagai mono, d. h. lange Waffen, und die mijikai mono, die kurzen Waffen. Die letzteren kann man sehr leicht unter einem Kimono verbergen und somit in einem notwendigen bzw. geeigneten Augenblick wirksam einsetzen.

Zu den langen Waffen zählen der Kaji, der Hakubo und der Sansha-kubo. Bei diesen Waffen handelt es sich um einfache Stöcke, die hinsichtlich Länge und Durchmesser unterschiedlich sein können. Jede Waffe hat ihre eigene Technik, bei der die Art des Kampfes, der Ort des Aufeinandertreffens und die körperliche Statur des Kämpfers berücksichtigt werden.

Karate Waffen Training

Zu den kurzen Waffen zählen der Sai, der Tonfa, der Kama und zu den leicht zu verbergenden Waffen der Kusari und der berühmte Nunchaku, dieser schlichte Diener des Landarbeiters. Bei diesen für den Kampf idealen Waffen gibt es heute ausgefeilte Techniken. Der Gebrauch ist streng reglementiert, und der Aktive kann intensiv mit ihnen arbeiten. Aber Achtung, man kann sich dieses ganzen Arsenals nur erfolgreich bedienen, wenn man sich zuvor sehr solide Karate-Techniken angeeignet hat.

Die Ursprünge der Karate Waffen

Wenn auch die heute bekannten Katas und Techniken erst zwei bis drei Jahrhunderte alt sind, so sind diese furchterregenden Waffen doch schon mehr als 700 Jahre alt. Wir zählen das Jahr 1250 – der Krieg tobt auf Okinawa. Die drei Provinzen, die sich die Macht auf Okinawa teilen – Okuzan, Shuzan, Nanzan -liefern sich über einen Zeitraum von einhundert Jahren hinweg schreckliche Bruderkämpfe. Die Bauern müssen gleichzeitig die Reisernte einbringen und sich gegen die entsetzlichen feindlichen Überfälle verteidigen. Nun haben aber diese armen Bauern nicht das Recht, Waffen zu tragen, sei es nun einen Katana (Säbel) oder einen Tanto (Dolch). Dieses Privileg ist den Kriegern Vorbehalten. Wie sollen sie sich nun verteidigen?

Karate Kampf Waffen

Die Bauern nehmen alles, was ihnen in die Finger kommt, um damit den Feind gegenüberzutreten. Sie nehmen Haushaltsgegenstände oder Werkzeuge, kurzum alles, was für die Verteidigung verwendet werde kann. Zu Beginn werden dies Gegenstände so wie sie sind angewendet, ohne dass irgendwelche Veränderungen vorgenommen werden. Jeder hilft sich, wie er es für richtig hält, und die Technik ist Nebensache. Dann macht man sich aber doch ein paar mehr Gedanke So wurde der relativ ungefährdet Kama – ein Messer, das zu Schneiden der Reishalme diente zu einer furchterregenden Waffe indem man den Griff verstärkte und die Klinge schärfte. Bei den religiösen Feiern vorbehaltenen Gegenständen ist die gleiche Entwicklung festzustellen. Man muss dazu sage dass es sich bei den Würdenträgern zu dieser Zeit nicht immer um Engel handelte. Kein Wunder bei der mangelhaften Sicherheit auf den Straßen. Jeder Würdenträger muss auch einige Samurai-Qualitäten besitzen.

Jeder Gegenstand wird so den Kriegsverhältnissen angepasst, und die Anzahl der einfachen Waffen wird immer größer. Diese aus der mittelalterlichen Handwerkskunst Japan hervorgegangenen Waffen verwenden wir auch noch heute. Wenn man eine Zahl nennen soll dann könnte man sagen, dass es ungefähr 50 gibt.

Die wichtigsten Karate Waffen in Übersicht

SAI Karate

SAI – Auch wenn er wie ein Dolch aussieht, so kann man doch mit dem Sai weder schneiden noch trennen. Er dient vor allem dazu, einen mit einem Katana (Säbel) oder einem Stock erfolgten Angriff abzuwehren, ohne dabei den Gegner zu verletzen. Die Klinge muss genau der Länge des Vorderarms des Kämpfers entsprechen. Über die Herkunft dieser Waffe ist man sich nicht ganz klar. Es scheint so, dass sie aus der im Mittelalter verwendeten ,Jute’ hervorgegangen ist, die wesentlich kleiner war und deren Kreuzstange nur auf einer Seite gekrümmt war.

TONFA Karate

TONFA – Wie der Nunchaku, so wurde dieser vollkommen aus Holz gefertigte Dreschflegel bei der Reisernte verwendet. Man gebrauchte ihn einst auf Okinawa. Der Not gehorchend, funktionierten ihn die Bauern in eine Waffe um. Die Handhabung des Tonfa ist ziemlich kompliziert. Man muss immer zwei Tonfas verwenden: mit dem einen wird der Angriff des Gegners pariert, während man mit dem anderen selbst zum Angriff übergeht.

KUSARI Karate

KUSARI – Den Kusari kann man in mancher Hinsicht als das Lasso des Samurai bezeichnen. Diese ungefähr 4 Meter lange Kette kann ungemein gefährlich sein. Wenn sie mit voller Wucht auf den Gegner geschleudert wird, kann man diesen damit fesseln. Bei der auf Okinawa bekannten Technik lässt sich die zusammengelegte Kette auch zur Abwehr eines Säbel- oder Dolchangriffes verwenden. Aus diesem Grund zählt der Kusari auch zu den kurzen Waffen.

KAMA Karate

KAMA – Hierbei handelt es sich um ein einfaches Messer, das zunächst zum Schneiden der Reishalme diente. Der Not gehorchend wurde der Kama in eine Waffe umgewandelt, indem man den Griff verstärkte und die Klinge schärfte. Der Kama stammt aus Okinawa, wie alle landwirtschaftlichen Werkzeuge, die von den Bauern in Verteidigungswaffen umfunktioniert wurden. Zu der Technik gehört das Parieren und der gleichzeitige Angriff.

NUNCHAKU Karate

NUNCHAKU – Der Nunchaku ist der unbestrittene Star unter den Karate-Waffen. Dieser sehr einfach konstruierte Dreschflegel wurde zunächst nur bei der Reisernte verwendet. Er bestand aus zwei Bambusstücken, die durch Rosshaar miteinander verbunden waren. Der Nunchaku wurde aber weiter entwickelt, und heute besteht er aus zwei sehr harten Holzgriffen, die durch eine Kette miteinander verbunden sind. Mit seiner Handhabung lässt sich ein doppeltes Ziel erreichen: mit einem kräftigen Schlag des Holzgriffes – vorzugsweise an den Kopf – schlägt man den Gegner nieder, während man mit der Kette die Klinge der gegnerischen Waffe abwehrt. Man muss Fingermuskeln und Unterarme aus Stahl haben, um einen Nunchaku richtig handhaben zu können.

Die langen Karate Waffen

KAJI Karate

KAJI – Bei diesem Stock gibt es zwei Ausführungen, d. h. einen langen und einen kürzeren Stock. Der Kaji ist aus hartem Holz gefertigt, und sein Durchmesser ist im Vergleich zu den anderen Stockwaffen nur geringfügig größer. Er verdankt seinen Namen jenen Stangen, mit denen die großen Flusskähne vorwärtsbewegt und gelenkt wurden, auf denen man Fische und Gemüse transportierte. Der Krieg machte diesen Stock – die richtige Technik vorausgesetzt – zu einer wirksamen Waffe.

KYUSHAKUBO Karate

KYUSHAKUBO – Hierbei handelt es sich auch nur um einen Stock; seine Länge beträgt jedoch 2,80 m. Diese überall kopierte Waffe kam zu uns aus Okinawa – der Wiege aller Karate-Waffen. Die richtige Handhabung des Kyushakuba kann man nur im Freien erlernen, denn die Angriffs- und Pariertechniken gegen einen oder mehrere Gegner kann man eben nur auf einem großen Gelände einstudieren.

SANSHAKUBO Karate

SANSHAKUBO – Von dem Kyusha-kubo unterscheidet sich der San-shakubo in der Länge, denn er misst nicht mehr als 1 Meter. Wenn die Ursprünge des Sanshakubo sich auch nicht von denen der zuvor genannten Waffen unterscheiden, so ist die Handhabung doch anders. Er eignet sich vorzüglich für den Nahkampf und kann auch in engen Räumen sehr wirksam sein, da mit ihm außerordentlich schnell zugeschlagen werden kann.

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