Wettkampf Training in Kickboxen

Kickboxtraining ist heute Abend, und alle werden da sein. Die Tasche wird gepackt. Man achtet schon darauf, welchen Hose man einpackt. Es gibt eben diesen besondere, diese eine, in der man besonders gern kickt. In ihr fühlt man sich eben besser, fühlt man dieses besondere Kickgefühl. Die Techniken durchlaufen den Kopf schon beim Anziehen dieser Kickboxhose.

Auch der Schwitzanzug muss mit. Inzwischen ist das Material schon weichtrainiert. Risse sind mit Tape geflickt worden, und der Reisverschluß an der Hose hat auch schon den Geist aufgegeben. Zum Glück wurde der Anzug nach dem letzten Training unter der Dusche ausgespült, sonst hätte er heute wieder so unangenehm geduftet.

Die Boxhandschuhe, Zustände aus Leder. Was sie durchgemacht haben, sieht man ihnen an. Neu waren sie eine Nummer zu klein, jetzt aber haben sie ihren Willen verloren und sich den Händen und deren Bewegungen angepasst.

Kickboxen Training

Meine Mutter würde sie am liebsten vernichten. Aber so sind Mütter eben oftmals, liebevoll und besorgt, jedoch ohne Verständnis für diese elementaren Bedürfnisse. Bei den T-Shirts ist Zweckmäßigkeit angesagt. Schweiß sollen sie aufnehmen, obwohl so ein originelles Motiv auf dem Shirt auch nicht von Übel ist. Also rein in die Tasche mit dem Heavy-Metal-T-Shirt. Wird bestimmt spaßig heute.

Das Kapuzensweatshirt für die Zeit nach dem Kickboxen. Langsam füllt sich die Tasche, und mit ihr auch die Ungeduld und die Lust auf das Training. So, jetzt noch die Schutzausrüstung: Den Tiefschutz, schon zweimal geflickt. Die Schienbeinschützer müssen morgen unbedingt gewaschen werden. Ein Geruch, der Tote, aber irgendwie auch etwas nach hartem Training und Schmerz weckt. Vielleicht sollte ich mal den Kopfschutz dem Torwartkopfschutz beim Eishockey nachempfinden – New design.

Auf eins schwören wir alle: Tape. Das reinste Wundermittel im Kickboxen! Zum flicken von Pratzen und Watschen, hält die Schuhe zusammen, ersetzt den defekten Klettverschluss, hält den Panzer und soll vor Verletzung schützen. Tape um den Spann, am Fußballen und um den großen Zeh bewirkt sofort dieses unbändige Gefühl Kicken zu müssen. Es gibt dem Fuß so ein festes und sicheres Gefühl.

Kraft wird gebündelt

Faustknöchel und schwache Handgelenke im Kickboxen bekommen durch das Tape den letzten Schliff. Die Kraft wird gebündelt. Und manch einer Tapt sich noch zwei Finger zusammen, damit das Faustgefühl nicht verloren geht.

Kickboxen Hamburg

Eigentlich kann es jetzt los gehen mit dem Kickbox Training. Warum kicken an der Pratze, Paltungs aus jeder Lage, das Klatschen der schießt durch den Raum. Wie die Peitsche des Schlittenhundeführers, so motiviert dieses die Kämpfer. Kampfschreie zeugen vom Spaß an der Bewegung.

Der Geruch von Schweiß wirkt wie Adrenalin auf die Kämpfer im Kickboxen. Partnerübungen lassen langsam die Lust auf Freikampf größer werden. Bei jedem Kick spritzt einem das Schwitzwasser aus dem Schwitzanzug um den Kopf. Einen Moment lang nicht aufgepasst, und schon hat man ein Ding gefangen – nur so zum Spaß (vor allem für die anderen)! Aber das macht nichts, es motiviert und macht wach. Schließlich sind wir ja hier, um den Kontaktsport Kickboxen zu erlenen. Und Spaß muss sein.

Aber das schönste Training kann von diesen Schlafmützen beendet werden, die die Pratze halten als sei es eine Weißbrotscheibe, die die Partnerübungen als Soloakte des anderen sehen. Ohne sie wäre man besser dran. Wir wollen die Pratzen hören, das Ächzen des Sandsacks und den Schweiß vom Körper verdampfen sehen.

Hohe Schule des Kämpfens

Freikampf mit Kontakt, das ist die hohe Schule des Kämpfens, was nicht heißen soll Augen zu und dann eins gegen eins in Bewegung. Nein, Freikampf mit Kontakt heißt, flüssig kämpfen mit viel Gefühl, um dann im richtigen Moment doch mal reinzuhauen (einfach so zum Spaß).

Kickboxen Kämpfen

Aber bis dahin ist es ein langer Weg im Kickboxen, schmerzhaft ist er obendrein. Die unangenehmen Verletzungen holt man sich als Schwarzgurt oft bei den knöchernen Grüngurten ab (jede Technik wird scheinbar mit den Ellenbogen geblockt). Wenn zwei „Greenhorne“ aufeinandertreffen, sind diese Balzkämpfe oft auch von unangenehmen Verletzungen begleitet. Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

Am Ende der Trainingsstunde, wenn die feuchte Luft den Raum in einen leichten Nebel hüllt, die Feuchtigkeit in dicken Trauben an der Wand und am Spiegel klebt, von den erhitzten Körpern Dampfwolken aufsteigen, macht sich im Raum ein Gefühl von Leichtigkeit, Glück, Zufriedenheit und körperlicher Erschöpfung breit.

Demaskierung nach dem Kickboxen

Sidekick Kickboxen

Im Umkleideraum dann die Demaskierung: Schützer ablegen, runter mit den nassen Klamotten. Das Tape wird wieder abgezogen. Ein paar Haare gehen dabei drauf. Ein kurzer Body-Check: Alle Zehen sind noch dran. Die Finger haben heute zum Glück nichts abbekommen. Das Fußgelenk drückt (wahrscheinlich unbemerkt umgeknickt). Dann werden noch schnell die blauen Flecken den Tätern zugeordnet.

Unter der Dusche das Übliche: „Darf ich mal den Shampoo haben?“ (Es sind immer welche dabei, die ihr Shampoo vergessen.) Kaum ist man fertig, kommt einer vorbei und schon hat man wieder so ein Showergel auf dem Rücken.

Nach dem Anziehen alles wieder in die Sporttasche zurück. Irgendeiner kann’s nicht lassen (wohl zu wenig trainiert) und verteilt in der Umkleide Tritte und Fauststöße auf den Oberarm. Aber irgendwie macht selbst so ein Quatsch auch Spaß. Oder?

Ich meine, wir könnten auch schön ruhig zum Tennis gehen und anschließend im VIP-Zelt Sekt schlürfen. Auch nicht schlecht. Oder?

Tja, dieses „Oder“ muss es sein. Wir lieben es, wenn der Schmerz langsam geht. Wir lieben es, dieses Ziehen im Körper, wenn wir die Treppe rauf oder runter wollen. Es gibt sogar Schmerzen, die zum Lachen zwingen. Und da soll uns ein Außenstehender ernst nehmen? Ist aber irgendwie auch völlig egal, die werden das sowieso nie richtig verstehen können, warum es Spaß macht, sich zu kloppen (nicht zu verwechseln mit einer Schlägerei – sowas ist doch irgendwie niveaulos!).

So, nun aber ab nach Hause und ins Bett. Hoffentlich kann ich heute Nacht auf der linken Hüfte schlafen – scheiß Prellung.

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