Die 18 Hände des Lo-Har

Jeder Karateka, der mehr lernen will als nur ein „bisschen Zuki oder Geri“, kennt die „Shipa Lohan Sho“ – „Die 18 Hände des Lohan“. Die genaue Bedeutung des Wortes „Lo-Han“ aus der Zeit Bodhidharmas ist verloren.

Man vermutet jedoch, dass es „Tempelwächter“ bedeutet und hindischen Ursprungs ist. Diese Techniken lehrte Bodhidharma seinen Schülern im Shaolin-Kloster. Sie bildeten die Grundlage des formalisierten chinesischen Tempelboxens. Später, zu einer vollständigen Selbstverteidigungsmethode entwickelt, wurden sie zum Fundament aller ostasiatischen Kampfkünste.

Bodhidharma stammte aus Kanchipuram in der Nähe des südindischen Madras. Als ich mich vor einigen Jahren dazu entschied, erstmalig Indien zu besuchen, wollte ich u. a. Spuren einer Kampfkunst suchen, die der Ursprung des „Shipa Lohan Sho“ sein könnte. Ich hatte bereits von Kalari-Payat gehört, einer Kampf- und Heilmethode, die von den Einwohnern Keralas praktiziert wird.

Training Lo-Har

Der Bundesstaat Kerala liegt am Arabischen Meer im äußersten Südwesten des Subkontinentes, nicht weit von Bodhidharmas Geburtsort entfernt. Zudem wusste ich, dass Kerala bereits lange vor der Geburt Christi Handelsbeziehungen zu China aufgebaut hatte. In Co-chin, genannt „Königin des Arabischen Meeres“, gab es sogar eine chinesische Siedlung. Kerala, das frühere Malabar, war also das Ziel meiner Reise.

Von Shala zu Shaolin

Dank guter Beziehungen wurde ich schnell fündig. Zuerst stieß ich auf sprachliche Zusammenhänge mit dem chinesischen Shaolin. Die Tempel in Kerala sind religiöse, wissenschaftliche, philosophische und oftmals martiale Zentren, nannten sich „Shala!“ Der Schritt von Shala zu Shaolin ist tatsächlich nicht groß. Dann fand ich heraus, dass Krieger im Malyalam, der Sprache Keralas, einer Mischung aus Sanskrit und Tamil, mit Lohar übersetzt wird.

Diese Lo-Har, Wächter des Tempels, trainierten in den Shalas. Waren die „Lo-Har in den Shalas“ vielleicht der Ursprung der „Lo-Han im Shaolin“? Im zentralen Stil des Kalari-Payat praktizieren die Kämpfer ein Konditionsprogramm, das aus 18 Grundübungen besteht. Diese Entdeckung war für mich wie das Eureka des Archimedes: Ich hatte die „18 Techniken des Lo-Har“ gefunden.

Ritter-Kodex

Kampfkunst Lo-Har

Darüber hinaus hörte ich, dass Könige einer bestimmten Region im alten Malabar sich „Samurin“ nannten. Diese Herrscher hatten Soldaten mit einem ähnlichen Ritterkodex wie der der japanischen Bushi. Die Krieger gingen wegen ihrer Todesverachtung in die Geschichte ein als „Die Selbstmordarmee“. Waren diese malabarischen Ritter vielleicht die „Samurai“ der „Samurin“? Gibt es einen Zusammenhang? Gab es eine Verbindung mit Japan? Weit her geholt? Zufall? Wer weiß!

Lo-Har-Trainingsroutine

Im Inneren Keralas, in Palghat, einer Kleinstadt in den Bergen der Western Ghats, wohnte A. Mohammed Ali Ansar. Der junge Mann war Schüler eines berühmten Gurukkals des zentralen Stils. Auf Bitten Mohammed C. Sherifs (mein Mentor in Kerala) nahm er die mühevolle Reise nach Cannanore auf sich: 250 km mit dem Bus, eine Tagesreise quer durch die Berge und den Dschungel Keralas. Er wollte die Techniken des Lo-Har vorführen. Wir holten Ali Ansar, einen etwas fülligen, recht verlegenen und verschlossenen jungen Mann, am Busbahnhof ab und fuhren mit ihm zum Strand von Cannanore. Am Ufer der Lakshad-weep See in praller Sonne zeigte Ali Ansar mir die Trainingsroutine der Lo-Har von Kerala.

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