Die Basiskräfte Yin und Yang

Von fundamentaler Bedeutung für alle chinesische Kultur und Philosophie ist die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Basiskräfte im Kosmos: Yin und Yang. Die Sehnsucht nach Harmonie mit der Natur stammt von ehemaligen, unbekannten Philosophen, die eine kosmologische und philosophischen Interpretation dieser natürlichen Ordnung gaben, im 4. Jahrtausend v. Chr. wird in chinesischen Schriften die Existenz dieser beiden ineinandergreifenden Kräfte deutlich; Yin und Yang wird in allen Aktivitäten des Menschen und der Natur sichtbar.

Jedes für sich, repräsentieren beide eine Anzahl von Qualitäten: Yang ist die positive, helle, aktive Kraft Alles was aktiv, warm, trocken, hart, standfest und maskulin ist, dem werden die Qualitäten von Yang zugeschrieben Yin ist die negative, dunkle, inaktive Kraft Yin’s Begriffsinhalt ist alles Passive, Kalte, Nasse, Weiche, Dunkle, Mysteriöse, Wandelbare und Feminine. Die Unterschiede sind so unerschöpflich, wie ihre philosophischen Ausdrucke. Symbolisch dargestellt, werden diese beiden Kräfte von einem Kreis umschlungen Das Ganze wird von den Chinesen bezeichnet als der Große Endpunkt” oder ,|Grand Terminus” oder „Grand Ultimate”. Am interessantesten im Zusammenhang mit dieser philosophischen Studie ist die Tatsache, dass die Gegensätze niemals in direkter Opposition zueinander stehen. Das Konzept von Yin und Yang stellt keinen direkten Dualismus dar -z B Licht und Dunkel, Gut und Böse. Die Töne von Yin und Yang befinden sich grundsätzlich in Harmonie zueinander.

Yin Yang Kung Fu

Eins bedingt das andere jedes ist notwendig, um das Ganze zu formen, um die Ordnung herzustellen Lao Tzu sagte einmal „Sein und Nichtsein bedingen einander, schwer und leicht vervollständigen sich gegenseitig lang und kurz kontrastieren sich1 (2 Ching)

Das Yin-Yang wird normalerweise dargestellt als ein aus Kugeln bestehendes Gebilde oder als Doppel-Fisch -Symbol Die gegenseitige Kraft vermischt sich in einem kreisförmigen Schema exakt ausbalanciert Mitten in Yin ist ein kleiner Teil, Yang, während ein kleiner Teil Yin auch in Yang enthalten ist Das eine» immer im stärksten Teil des anderen platziert.

Im Yang-Teil der Kräfte ist immer Yin. – Im Auge des Hurricanes is immer eine friedliche Ruhe.
Im innersten Teil von Yin ist Yang, – In der Brust eines kleinen schlafenden Kaninchens ist ein schnell schlagendes Herz.

Kung Fu Kampfkunst

Es ist vielleicht gar nicht so schwer zu verstehen, dass eine simple Vermischung von Gegensätzen zu einer harmonischen Lebensweise führt. Der Mensch ist nicht langer Gegensatz zur Natur, sondern verschmilzt mit ihr, indem er die Yin-Yang Philosophie anwendet und entdeckt, dass seine innerste Seele ist wie die Stürme die Berge wie die Natur, die ihn umgibt.
Im „Kung Fu” gibt es viele Systeme mit sehr harten, starken Bewegungen Im Gegensatz dazu gibt es auch Systeme mit weichen, schnellen Bewegungen. Alles ist „Kung Fu” -jede martialische Kunst So wie die Gegensätze von Yin und Yang sich vermischen, so vermischen sich auch die harten und weichen Systeme zu einer Einheit. Was hart anmutet, ist mit Leichtigkeit getan; was weich aussieht ist tödlich.

Ein „Kung Fu” Künstler nutzt die Schwäche seines Gegners – welche in jedem Falle existiert – aus. Selbst dort, wo ein Mensch besonders stark erscheint, gibt es einen schwachen Punkt, und so kurios es auch erscheinen mag, diese Schwäche befindet sich meist im Zentrum der Stärke. Beispiel: Will jemand einen Schlag ausführen, so muss er seinen Arm ausstrecken, seinen Ellenbogen somit anheben und damit seine Deckung öffnen. „Kung Fu” ist nicht das Wissen darüber, einen Gegner zu überwältigen, sondern das Wissen darüber, das Yin/Yang zu finden Die Verschmelzung von Yin und Yang führen zu einem Kugelbild Im Gegensatz zu vielen anderen martialischen Künsten benutzen die Chinesen diesen Kreis in der Weichheit oder Festigkeit ihrer eigenen Angriffe, um einen gegnerischen Angriff zu neutralisieren und zu zersplittern.

Yin und Yang

Ein direkter Angriff wird normalerweise in einer geraden Linie ausgeführt. Trifft eine Kraft direkt auf eine andere direkte Kraft, so wird der Schwächere eine Verletzung erleiden. Der Gebrauch von kreisförmigen Schemata und Winkeln kann dazu benutzt werden, ein? Kraft am Durchbrechen zu hindern. Die Wechselbeziehungen zwischen „Kung Fu” und dem Vin/Yang Konzept sind unerschöpflich Es ist jedoch für so viele Künste das Fundament, so dass das Yin/Yang Symbol oft in Verbindungen und Systemen als Emblem oder Identifikationszeichen benutzt wird.

Der philosophische Hintergrund von Yin und Yang wurde für sich selbst schon ein Buch füllen.

Tai Chi Chuan ist eines von vielen Systemen, welches auf der Philosophie des „Grand Ultimate” basiert.

Das Prinzip des Wu-Wei

Ein anderes chinesisches Konzept, welches dem westlichen Denken vielleicht ein wenig fremd erscheinen muss, ist „Wu-Wei”. Die positiven Kräfte der Natur besitzen demnach keine Namen, und ihre Aktivitäten sind durch Inaktivität gekennzeichnet. Ein Mensch, der „Wu-Wei” folgt, wird nicht aktiv. Nicht aktiv zu werden, heisst jedoch nicht, absolut nichts zu tun. Es bedeutet nur, nicht künstlich aktiv zu werden. Es ist eine Art „Creative Passivität”, man ist ruhig und reserviert, um die Natur möglichst auf natürliche Weise in sich aufzunehmen. Aktionen führen, unweigerlich zu Reaktionen. Und Reaktionen werden von einem Kämpfer als unvorteilhaft erachtet. Das Buch „Tao Te Ching”, von Lao Tzu, drückt dieses Konzept so aus: „Überspanne einen Bogen, und du wirst wünschen, du hättest rechtzeitig innegehalten. Schleife ein Schwert aufs Schärfste, und die Schneide wird nicht lange halten. Fülle dein Haus mit Gold und Jade, und du wirst nicht in der Lage sein, dein Haus zu schützen. Wer stolz ist auf seine Gesundheit und Ehrlichkeit, der sät den Sämen für seinen eigenen Untergang. Ruhe dich aus, wenn die Arbeit getan ist, das ist des Himmel’s Weg . ” (9 Ching)

Wu-Wei Kampfsport

Gerade eben genug zu tun, ist nicht die westliche Standardhaltung der Arbeit gegenüber. Und doch, die Chinesen wachsen mit einer solchen Doktrin auf und leben damit. Genauso ist es mit ihren Künsten. Im „Kung Fu” findet ein „Abwerfen” von überflüssigen Bewegungen statt. Viele Systeme unterstreichen prägnante und kurze Bewegungen Viele benutzen lange, ausführliche Bewegungen.

Alle Systeme haben jedoch gemeinsam, dass sie keine menschliche Bewegung verschwenden. Ein guter Kung Fu-Künstler tut immer gerade, so viel, wie es die Situation erfordert. Mehr tun hieße, sich zu übernehmen. Genau diese Art der „Überaktion” versucht ein guter Kampfer bei seinem Gegner hervorzurufen. Jemandes Kräfte zu zerstreuen heißt, seine Deckung, Balance und seine Fähigkeit zu kontern, zu stören.

Wu-Wei Kung Fu

Der etwas paradoxe Ausdruck „Wu-Wei” ist der Schlüssel zum chinesischen Mystizismus. Seine wahre Bedeutung ist kaum zu übersetzen. Es ist der Weg des Weisen, der Weg des Künstlers. Der Schlüssel zum Verständnis der „Kung Fu”-Bewegung in ihrer reinsten Form.

„Eine gut verschlossene Tür braucht keine Riegel und doch kann sie nicht geöffnet werden ” (Ch. 27)

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