Für mehr Fairness im Kampfsport

Vor einigen Jahren noch war es störend zu sehen, wenn sich Karateka und Taekwon-Do-Sportler gegenseitig das Leben schwer machten. Jetzt haben die Auseinandersetzungen untereinander ein Ausmaß angenommen, dass man sich ernsthaft fragen muss, wer bekämpft wen und vor allem, welche Motivation steckt dahinter.

Die Kenner der Szene in Deutschland wissen, dass es schon immer Sportler und Funktionäre gegeben hat, die davon überzeugt waren, dass nur ihre Richtung, sei es Karate, Taekwon-Do oder Kung Fu, das einzig Wahre sei. Dies hat auch der ständig ansteigende Boom nicht geändert.

Was sich geändert hat, ist die Tatsache, dass Vertreter der verschiedenen Stilrichtungen eine Art der Kritik wählen, die von sportlicher Fairness weit entfernt ist.

Fairness Kampfsport

Der Traditionalist spricht in Bezug auf Kontaktkarate von „Plastik-Karate”, während umgekehrt die Meinung herrscht, alles Althergebrachte sei überholt und obskurer Unsinn. Der eingefleischte Karateka spricht abfällig über Taekwon-Do. Vertreter dieser Richtung wiederum bezeichnen Karate-Kampf als Tsuki Turniere.

Karate oder Taekwon-Do

Wer denkt an die vielen tausend Sportler, die diese Berichte im Internet finden und ihre Sportart schlecht gemacht sehen. Kritik muss sein, aber kritisieren muss gelernt sein. Versteckter Verbandsklüngel soll bitte schön untereinander von Mann zu Mann ausgemacht werden.

Wer hat etwas davon, wenn wir uns gegenseitig zerfleischen. Im Gegenteil, von der Vielzahl der phantastisch schönen Techniken in den verschiedenen Stilrichtungen kann jeder noch lernen, auch die, die meinen, ihren Sport schon 10 Jahre und noch mehr zu „beherrschen”. Oder hat man schon von ähnlichen Hetzereien in anderen Sportarten gehört. Regen sich die Tennisspieler auf, wenn neue Arten der Spielregeln erfunden werden? Wenn plötzlich gegen die Wand gespielt wird und nicht mehr direkt gegeneinander (Squash).

Boxen Kampfsport

Was sagen die Kanusportler, wenn plötzlich deutsche Meisterschaften im Kanupolo ausgerichtet werden, weil 20 Vereine im Kanuverband diese Art des Wassersports betreiben wollen?

Der beste Sport ist?

Keiner spricht dem anderen ab, dass seine Art, sich sportlich zu betätigen nicht das „wahre Kanufahren” ist. Man müsste einmal untersuchen, weshalb gerade in den asiatischen Kampfsportarten, die sich mit Faust und Fußkampf beschäftigen, soviel Unfriede herrscht.

Einige Richtungen geben in ihrer Philosophie bekannt, dass mit der Vervollkommnung des körperlichen Trainings auch der Charakter positiv beeinflusst wird.

„Wie die blanke Oberfläche eines Sees” soll das seelische Gleichgewicht werden. Langsam müsste auch dieses Training bei einigen Leuten in Deutschland endlich seine Auswirkungen zeigen. Bedauerlich, dass es nicht so ist, im Gegenteil.

Man sollte meinen, dass die Asiaten aufgrund ihrer jahrzehntelangen Praxis endlich einmal einen positiven Charakter entwickelt hätten. Dem ist nicht so. Wer die Karateszene in der Welt kennt, weiß, dass gerade in den Mutterländern unserer Organisationen ein erbitterten Prestigekampf zwischen den verschiedenen Stilrichtungen geführt wird. Dafür sind unsere vermeintlichen Charaktervorbilder verantwortlich. Die Ausflüsse dieser Streitigkeiten werden von den Lehrern und Trainern nach Europa und Amerika gebracht, wo sie sich dann fortsetzen.

Mittlerweile haben wir in Deutschland schon fünf Jahrzehnte Karate Taekwon-Do und Kung-Fu. Wir haben hervorragende Lehrer um phantastische Kämpfer, die Weltklasse sind. Das sind die besten Voraussetzungen Sport zu treiben miteinander und nebeneinander. Mehr Toleranz würde uns alle sehr gut tun. Das wäre doch schon mal ein Anfang oder?