Taekwondo-Lehrgang in Griechenland

Vom 15.-29. Juli 2015 fand der von Mathias Neuberth und Andre Langhammer ins Leben gerufene und organisierte Lehrgang in Katherini, Griechenland, statt. Anfangs schien dieser unter keinem guten Stern zu stehen, sagte doch Großmeister Kwon Jae Hwa sein Mitwirken ab. Verspätet erschienen dann auch die beiden Lehrgangsleiter Manfred Junge und Dirk Auer, die sich mit einem geliehenen Wagen gen Griechenland aufgemacht hatten, dann aber kurz vor München mit Motorschaden eine Auszeit nehmen mussten. Erst am Morgen des 14. Juli traf Ersatz ein, die Non-Stop-Fahrt nach Griechenland wurde unverzüglich fortgesetzt und endete am Spätnachmittag des 15. Juli.

Auf dem Zeltplatz angekommen, müssen wohl einige Lehrgangsteilnehmer eine gewisse Ähnlichkeit mit den im Prospekt abgebildeten Weltmeistern festgestellt haben. Die Kunde verbreitete sich in Windeseile. Ein erstes, vorsichtiges Kennenlernen begann und so konnte die erste Besprechung abgehalten werden. Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner, wann, wo und wie trainiert werden sollte, ob eine Halle zur Verfügung stand – Taekwondo-Organisation schlechthin. Am selben Abend trainierten alle Teilnehmer zusammen unter der Leitung Junges am Strand – und endlich traf auch einer der Organisatoren ein.

Taekwondo Zusammenkunft

Bei der anschließenden Zusammenkunft und der offiziellen Begrüßung konnte der angestauten Aggression freien Lauf gelassen werden, die sich zwangsläufig durch das Fehlen einer Ansprechstation gebildet hatte. Es stellte sich heraus, dass für den Vormittag eine Halle zur Verfügung stand. Die Suche nach einem Trainingsterrain innerhalb des Zeltplatzes begann. Das Terrain wurde gefunden, in mühsamer Handarbeit von uns präpariert, mit einer Leine eingezäunt und fortan als Dojang deklariert -und gegen Neuankömmlinge, die hier ihr Zelt aufstellen wollten hartnäckig und erfolgreich verteidigt.

Taekwondo Griechenland

Die Teilnehmer waren sowohl von der Graduierung (10. Kup – 3. Dan) als auch von ihren Voraussetzungen sehr weit gestreut. So gab es eine Gruppe, vornehmlich Griechen, die aus reinen Wettkämpfern bestand. Für andere war gerade diese Materie absolutes Neuland. Anhand dieser Gegebenheiten erstellten Jung einen Trainingsplan, der allen Beteiligten ein optimales Training ermöglichte.

Hartes Taekwondo Training

Jeder der Trainer war zweimal täglich im Einsatz, da immer 2 Gruppen gleichzeitig trainierten. Morgens um 8 Uhr begann die Wettkampfgruppe mit Kampftraining. Die zweite Gruppe absolvierte Grundschultraining, vervollständigt durch Übungen für Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Um 19 Uhr spezielles Wettkampftraining für die fortgeschrittenen Kämpfer einerseits, andererseits Wettkampftraining für die 10.-7. Kupgrade. Ab 20.15 Uhr Wettkampftraining ab 6. Kup.

Taekwondo Training

In dieser Zeit wurden sämtliche Grundtechniken wettkampfmäßig vermittelt, Steps, Täusch- und Ausweichmanöver mit solcher Intensität und Vielfalt geübt, dass es doch schon sehr große Anforderungen an die Konzentration stellte, hier nicht aus der Bahn zu geraten. Sehr große Fortschritte wurden nach Meinung beider Trainer hinsichtlich der Bewegung erzielt, da die meisten Teilnehmer sich anfangs noch in alter Grundschulmanier sehr statisch bewegten. Sparringsübungen überzeugten die Teilnehmer aber doch sehr schnell davon, dass mit solchen Bewegungsabläufen keine großen Erfolge zu erzielen sind und lernten sehr schnell dazu.

Nach dem Taekwondo

Nach dem Training, oft noch mit Tobok und Turnschuhen, brachte ein Bad im an dieser Stelle doch sehr sauberen Meer die ausgelaugten Körper und den müden Geist wieder in Hochform, der so angeregte Appetit wurde entweder durch eigene Küche gestillt oder durch die dem Zeltplatz eingegliederte Gastronomie befriedigt. Zu den Preisen ist zu sagen, dass diese, verglichen mit den bei uns üblichen, ungefähr ein ein drittel betrugen, zudem war die Qualität sehr gut, die Quantität mehr als ausreichend.

Taekwondo Veranstaltung

Wer dann noch genügend Energie hatte, verschuf sich Bewegung in der Open-Air-Disco, übrigens ein regelmäßiger Treffpunkt aller Taekwondo-Sportler. 14 Tage – eine lange Zeit bei zweimaligem Training täglich – und nur wenige Teilnehmer schafften es, bei allen Einheiten anwesend zu sein.

Neben der körperlichen Schulung kam auch der theoretische Teil nicht zu kurz. Seminare über Sportmedizin, Wettkampfordnung, Sportorganisation, Trainingslehre sowie einer Betrachtung des Taekwondos unter dem Aspekt Sport oder Philosophie erfreuten sich 100%iger Beteiligung und reger Anteilnahme.

Taekwondo Sparringseinheiten

Am vorletzten Tage fand dann eine Sparringseinheit aller Teilnehmer statt. Herr Jung, der diese Einheit leitete, konnte auch die Wettkampfgruppe zu diesem Training begrüßen, sogar der Weltmeister ließ es sich nicht nehmen und mischte beim Sparring mehr als munter mit, so dass Teilnehmer und Campingfreunde, die sich zu jedem Training in großer Zahl als Zaungäste einfanden, einmal den hohen Stand der Wettkampfkunst aus erster Hand sehen konnten. Eine zünftige Strandfette mit Lagerfeuer, Grill und gemeinsamen Liedern beschloss den vorletzten Abend, dem nur noch eine Trainingseinheit folgen sollte.

Taekwondo Kampfsport

Am Sonntag, den 29. Juli 2015 entbrannten Jung noch einmal ein wahres Feuerwerk von Techniken, Steps, Kombinationen. Die letzten Reserven wurden mobil gemacht. Der Einsatz der Teilnehmer war wirklich nicht mehr zu überbieten. Hier war etwas von der Resonanz zu spüren, die Trainer brauchen, um gute Arbeit zu leisten. Es wurde nicht über „Do“ gesprochen, nein, sondern bewiesen. Danach führten die Schüler in Einzel- oder Partnerdarbietungen die ganze Palette des Taekwondo-Sportes vor: Hyong, Ilbo-Taerian, Selbstverteidigung und Freikampf. Nun sollte eigentlich Schluss sein, doch bevor die offizielle Verabschiedung ausgesprochen werden konnte, formulierte ein Teilnehmer den Wunsch aller, nämlich einem Freikampf der beiden Weltmeister gegeneinander beiwohnen zu dürfen.

Taekwondo Wettkampf

3 Runden waren angesagt. Neuberth und Langhammer als Kampfleiter demonstrierten zunächst einmal mehr als gekonnt den aufmerksamen Teilnehmern, wie Verwarnungen und Minuspunkte gesammelt bzw. Entscheidungen des Kampfleiters ad absurdum geführt werden können. Dann aber ging es zur Sache. Kicks, Täusch- und Ausweichmanöver, Serien von Hand-Fuß-Kombinationen beendeten die letzte Trainingseinheit unter dem Beifall der sich wieder zahlreich eingefundenen Zuschauer und teilnehmerböse Zungen behaupten, bis heute seien die ungezählten Kampfschreie auf dem Zeltplatz noch nicht verhallt.

Die offizielle Verabschiedung erfolgte. Beide Trainer versicherten, dass es trotz der vielen Arbeit, trotz der Hitze und trotz der Autopanne auf dem Hinweg sehr viel Spaß gemacht habe mit dieser Gemeinschaft, die sich in den 14 Tagen des Aufenthaltes zusammengerauft hatte. Mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge schied man voneinander, nicht jedoch ohne sich vorher versichert zu haben, in Deutschland in Kürze ein Wiedersehen zu feiern.

Ein nächster Lehrgang im nächsten Jahr, getragen von den Erfahrungen, die sicherlich alle machen konnten, wird sicherlich auch wieder eine gelungene Angelegenheit. Ein Urlaub, der auch in entfernteren Jahren einen festen Platz in der Erinnerung eines jeden Teilnehmers behalten wird.