Ursprüngliche Formen des Taekwondo

Die ursprünglichen Formen des Taekwondo waren die Hyong, doch nach der Trennung von Choi-Hong-Hi war es notwendig ein einheitliches Formensystem zu schaffen mit dem alle Kwan arbeiten konnten. Da die verschiedenen Kwan-Stile unterschiedliche Formen liefen wurde von einem Komitee der KTA im Jahr 1965 ein neues Formensystem entwickelt –> die Poomse.

Unter Mitwirkung von Vertretern der verschiedenen Kwan wurden zunächst die Palgue-Formen (8 Stück) und die sogenannten Yudanja-Formen (Koryo bis Ilyo, also 9 Stück) entwickelt. Nach zwei Jahren Entwicklungszeit wurden diese Formen dann ab Ende 1967 in den Schulen der Kwan gelehrt.

Allerdings wiesen die Palgue keinen “roten Faden” auf und es gab auch hier Technikvarianten. Ein weiteres Manko war, dass sie ohne die Beteiligung von Vertretern des Ji-Do-Kwan und Moo-Do-Kwan entwickelt wurden. Aus diesen Gründen vermutlich wurden sie 1972 durch die Taeguks ersetzt. Seit 1973 werden innerhalb des Weltverbandes WTF die Poomse verbindlich gelehrt und praktiziert.

Taekwondo Taeguks

Als 1994 feststand, dass Taekwondo olympische Disziplin wird, wurden auf Druck der WTF die Hyong in Deutschland gänzlich aus dem offiziellen Programm gestrichen und seit 1996 sind innerhalb der DTU (Deutsche Taekwondo Union) ausschliesslich Poomse zu Prüfungen und Meisterschaften zugelassen.

Kennzeichen

– Alle Taeguks weisen ein und das selbe Diagramm, nämlich einen Längsbalken mit drei Querbalken auf ( ein sogenanntes “Trigramm”).

– Jeder Balken wird genau einmal durchlaufen wobei alle Poomse mehr oder weniger achsensymmetrisch sind, d.h. die Techniken werden gleichermassen rechts wie links ausgeführt.

– Die Konzentrationsbewegung am Anfang und Ende der Form ist identisch

– Alle Poomse-Formen enden an dem Punkt, an dem sie beginnen.

– Alle Poomse-Formen beinhalten einen Kampfschrei, wobei die ersten sieben Taeguks nur jeweils einen aufweisen, alle weiteren jeweils zwei.

– Alle Poomse-Formen beginnen mit einer linksseitigen Bewegung.

– Alle Poomse-Formen beginnen mit einer Verteidigungstechnik.

Die Poomse weisen weniger Bewegungen als die Hyong auf und besitzen eine geringe Technikvielfalt. Dadurch fällt allerdings die Interpretation der Technikkombinationen und deren Anwendung ein wenig leichter. Die Taeguks und Poomse bauen zum Teil aufeinander auf, auch nimmt der Schwierigkeitsgrad mit den Formen zu.

Bedeutungen

Anders als die Hyong sind die Poomse-Formen nicht bestimmten Personen oder Ereignissen zugeordnet sondern symbolisieren z.B. Naturelemente (Wind, Wasser, Feuer, Erde) oder haben tiefergehende philosophische Bedeutung (z.B. “Geist der Einheit”, Ebene, Ordnungssymbolik).

Taekwondo Charakteristik

Die Techniken der jeweiligen Form spiegeln diese Bedeutung wider und bestimmen somit auch die Charakteristik der Form. Als Beispiele seien hierfür genannt die Taeguk-Oh-Chang (Bedeutung: Wind) mit ihren weiten und runden Bewegungen oder auch Sipjin (Diagramm weist auf die Dezimalzahl Zehn hin), die hauptsächlich geradlinige Bewegungen aufweist.

Artikel Nachtrag

Es gibt nicht Palgue und Poomse, sondern Palgue sind Poomse, genau wie Taeguks.

Eine Gliederung könnte demnach wie folgt aussehen :

  • Hyong
  • Poomse (Palgue, Taeguk, Yudanya)
  • Tul

Es gibt sehr wohl einen roten Faden. Wo Taeguks lediglich ein Diagramm zeichnen (ein Schritt = durchbrochene Linie, zwei Schritte = ganze Linie), erklären Palgue das gleiche Diagramm und veranschaulichen seine Eigenschaften. Auch Palgue Poomse sind sehr systematisch aufgebaut. das Diagramm ist (fast) immer ein gestürztes H, genauso wie in der Dan-Poomse Taebaek (die übrigens vom Aufbau und den Techniken eine typische Palgue-Poomse ist).

Es gibt z.B. eine Technik, die in jeder Palgue-Poomse auftritt : Dwit-Gubi mit Sonnal-Momtong-Goduru-Makki. In Taeguk-Poomse gibt es keine solche “Standard-Technik”. Unserer Ansicht nach waren die Gründe für die Abschaffung (oder eher Verdrängung, abgeschafft sind sie nicht ganz, wir prüfen zum Beispiel immer noch damit) eher politische… Zum einen sind ganze Bahnen fast eins zu eins aus Hyongs entnommen, um traditionellen Meistern eine gewisse Kontinuität zu gewähren, zum anderen passen die langen und tiefen Stellung nicht zur Ausrichtung auf den olympischen Wettkampf.

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