Was ist Taekwon-Do?

Taekwon-Do ist eine Stilrichtung der alten Kriegskünste ohne Waffen, wie sie seit Jahrhunderten in Asien geübt werden. Dabei entwickelte jedes Land einen besonderen Stil. In China ist es das Kung-fu oder Chuan-fa, in Japan — hier allerdings erst seit etwa 1915 — das Karate. In Korea das Taekwon-Do.

In einfacher Übersetzung aus dem Koreanischen bedeutet »Tae« (t’ae) soviel wie »springen, stoßen und schlagen mit den Füßen«. »Kwon« — wörtlich »Faust« — kennzeichnet die Handtechniken. »Do« ist ein umfassender, typisch asiatischer Begriffskomplex, der durch »System« oder »Methode« nur schlecht wiedergegeben werden kann, da er zugleich eine bestimmte Geisteshaltung bezeichnet, die über das rein Sportliche hinausgeht (vergleiche Ju-do, Aiki-do, Ken-do usw.).

In einer verständlicheren Fassung läßt sich Taekwon-Do als waffenlose Selbstverteidigung interpretieren, deren Technik in einer variationsreichen Anwendung von Fauststößen, Handkantenschlägen und Fußstößen (letztere insbesondere im Sprung) besteht — im Gegensatz zum Judo, dessen Hauptmerkmal das Werfen des Gegners ist, und im Gegensatz zum Jiu-Jitsu, welches Verhebelungstechniken bevorzugt.

Taekwondo Fight

Ziel der Techniken ist es, den Gegner schnell und wirksam außer Gefecht zu setzen. Ursprünglich war Taekwon-Do eine Kriegskunst, die darauf abzielte, den Gegner zu töten. Aber ebenso wie der morderne Fechtsport die elegante Weiterentwicklung eines vormals blutigen Kriegshandwerks darstelit, hat sich das moderne Taekwon-Do zu einem für den Kenner sicherlich olympiareifen Sport fortgebildet — nicht zuletzt ein Verdienst des Generals Choi Hong-Hi, Vater des modernen Taekwon-Do, der in den vierziger Jahren aus den damals bekannten Stilrichtungen, insbesondere des Karate und des Tae-kyon, ein neues, einheitliches System schuf, welches sowohl eine sinnvolle und wirksame Ausbildung der Schüler als auch die Austragung dynamischer und sportlich fairer Wettkämpfe ermöglichte.

Der wesentliche Unterschied des Taekwon-Do zu dem japanischen Karate liegt in der Fußtechnik. Bei einem entsprechenden Training stehen die hohen Fußtechniken des Taekwon-Do in ihrer Vielfältigkeit und Schnelligkeit den Handtechniken nicht nach. Eine Fußtechnik, insbesondere im Sprung, erzielt die dreifache Wirkung einer Handtechnik; zudem ist ihre Reichweite größer bzw. länger.

Es gibt derzeit schätzungsweise sieben Millionen aktive Taekwon-Do-Sportler auf der Welt, wovon alleine fünf Millionen in Korea beheimatet sind. Dort ist Taekwon-Do Pflichtsport für Militär und Polizei. Darüber hinaus steht Taekwon-Do im freiwilligen Sportprogramm aller Oberschulen und Universitäten. Hauptverbreitungsgebiet neben Korea sind Vietnam, Hongkong, Malaysia, Thailand, Amerika, Kanada, Italien, Holland und Frankreich.

Taekwon-Do Kick

Zum Anlass der 1. Teakwon-Do-Weltmeisterschaften im Mai 1973 wurde die Welt-Teakwon-Do-Föderation, kurz WTF, gegründet. Die Bundesrepublik war bei der Gründung durch Heinz Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Taekwon-Do-Union vertreten.

In der BRD besteht Taekwon-Do bereits seit 1965. Seit 1968 war Taekwon-Do als Sektion im Deutschen Judo-Bund (DJB) organisiert. Doutsche Meisterschaften werden seit 1967 durchgeführt. 1975 fanden die ersten Damenmeisterschaften statt und werden nun alljährlich durchgeführt.

1981 erfolgte die Gründung eines selbständigen Verbandes, der »Deutschen Taekwon-Do-Union«. Seit dem 4. 12. 1982 ist dieser Verband als Spitzensport im »Deutschen Sportbund« aufgenommen.

Die Gliederung des Taekwon-Do

Neben intensiver Körper- und Geistesschulung bilden vor allem drei Elemente die Grundlage für das koreanische Taekwon-Do.

Taekwondo Poomse

Poomse (Bewegungsformen): Sie entsprechen der »Pflicht« in anderen Sportarten. In schneller Folge werden Angriffs- und Abwehrtechniken nach genauen Regeln ausgeführt. Der Sportler soll Atemgeschwindigkeit und Bewegung exakt aufeinander abstimmen und die richtige Verlagerung des Körpergewichts üben. Die Bewegungen sollen kraftvoll, rhythmisch und konzentriert erfolgen.

Freikampf: Hier werden in der Konfrontation mit einem Gegner, nach strengen sportlichen Regeln, alle erlernten Techniken angewendet. Dabei werden Schutzweste und Tiefschutz zur Verhütung von Verletzungen getragen.

Bruchtest: Eine für den Außenstehenden angeblich spektakuläre Erscheinung. Es handelt sich hierbei aber um eine Demonstration des technischen Könnens und der Konzentrationsfähigkeit des Sportlers. Auch wenn manche Leistung unglaublich erscheinen mag, so wird doch ohne »Trick« gearbeitet. Jahrelanges Training ist die Voraussetzung dazu.