Krafttraining im Wing Tsun Kung Fu

Wozu ist im Wing Tsun Kraft nötig? Diese Frage ist hier durchaus berechtigt. Wurde es nicht von einer Nonne entwickelt und soll es nicht dem Schwachen ermöglichen, den Angriff eines Starken erfolgreich abzuwehren? Dies gilt für jedes gute Verteidigungs-System und in besonderem Maße für Wing Tsun, da die Techniken ohne besondere Körperkraft funktionieren müssen, denn sie wurden für die Bedürfnisse einer Frau erdacht.

Überlegene Technik kann zweifellos rohe Kraft besiegen. Aber bei gleichen Voraussetzungen (Tech-
nik, Kampfgeist) wird stets der Stärkere gewinnen. Wer das bestreitet, macht sich etwas vor. Aus diesem Grunde führt die Europäische Wing Tsun-Organisation für ihre über 60 Übungsleiter nicht nur Spezial-Seminare in Methodik und Didaktik des Unterrichts, Technik, Rechtskunde, Organisation usw. durch, sondern der Übungsleiter erhält praktisches und theoretisches Rüstzeug, wie er ein spezielles Kraft-Training für Wing Tsun richtig durchführen kann. Die Betonung liegt auf dem Wort „richtig”. Durch falsches Krafttraining kann man nämlich besonders im Wing Tsun schwerwiegenden Schaden anrichten. Wir denken dabei nicht an die Verletzungsgefahr, sondern an die Auswirkungen auf die Wing Tsun-Techniken selbst. In der Tat gibt es für Wing Tsun Muskelgruppen, die es besonders zu entwickeln gilt,
und andere, die den Wing Tsun-Mann eher behindern könnten.

Für viele Kampfsysteme Gültig

Kampfsystem Wing Tsun

Hier den Ausgleich zu finden, die idealen Übungen und die richtige (Gewichts-)Belastung zu finden, ist die Aufgabe eines Experten. Glücklicherweise betreiben viele Trainer, selbst Krafttraining. Sodass sie verstehen, eine Fülle von theoretischen Informationen und praktischen Vorführungen so Mundgerecht zu servieren. Es ist hier nicht möglich, das breite Informationsspektrum auch nur annähernd wiederzugeben. Allerdings werden u. a. Aspekte angesprochen, die nicht nur für Wing Tsun Kung Fu, sondern auch andere Kampfsysteme Gültigkeit besitzen und manche erfahrene Trainer zum Nachdenken bringen könnten.

Da herrscht z. B. immer noch vielerorts die Vorstellung, dass Krafttraining, da anstrengend, an den Anfang des Gesamtprogrammes zu stellen ist, damit man es hinter sich hat und sich anschließend voll auf das Einschleifen von Techniken konzentrieren kann. Tatsache ist jedoch, dass die Milchsäurebildung beim Krafttraining das Muskelkontraktionspotential dämpft und damit die für neue und schwierige Bewegungen nötige Feinmotorik stört. Die beteiligten Muskeln können, ohne dass man sich dessen voll bewusst wird, so erschöpft sein, dass u. U. benachbarte Partien einspringen und die gesamte Bewegung querziehen mit der Folge falsch eingeschliffener Koordinationsmuster.

Sinnvolles Kraftsport Timing

Kraftsport Timing

Vielleicht sollten manche Trainer einmal anfangen, darüber nachzudenken, inwieweit bis zum Erbrechen gequälte Liegestützen vor dem Technik-Training sinnvoll sind. Bekanntlich wird beim Standard Wing Tsun-Fauststoß der Ellbogen vor dem eigenen Körper auf der Zentrallinie bewegt, weil hierdurch

a) die Faust auf dem kürzesten und damit schnellsten Weg zum Ziel geht.

b) der Solar-Plexus gedeckt ist.

c) die eigenen Hände innerhalb der gegnerischen Arme operieren, wodurch letztere behindert werden.

Um auf diese Weise nicht nur schnell, sondern auch kraftvoll stoßen zu können, muß im Bewegungszentrum des Gehirns ein Koordinationsmuster aufgebaut werden, von dem aus ein feinabgestuftes Trommelfeuer von Nervenimpulsen die beteiligten Muskeln in eben dieser Bewegungsrichtung besonders hart kontrahiert. Mit anderen Worten: Bankdrücken sind, obwohl auch sie Trizeps und vorderen Delta-Muskel kräftigen, wegen ihrer in andere Richtungen zielenden Koordinationsmuster als Kraftübungen für W. T.-Fauststöße ungeeignet. Es ist kein Geheimnis, dass „breite Bankdrücker” beim Versuch, kraftvoll a la Wing Tsun zu stoßen, erleben müssen, wie ihre Ellenbogen – sozusagen in Erinnerung an das breite Bankdrücken – nach außen wandern. Es gibt mehrere praktische Lösungen für dieses Problem. Am besten gefählt den meisten „Enges Bankdrücken”.

Auch zum Bauchmuskeltraining gibt es konkrete Vorschläge. Es ist aus zwei Gründen sinnvoll:

  1. Je stärker die Bauchmuskeln, desto stabiler die Kontraktionskette Schulter-, Brust-, Bauch-, Hüft-, Beinmuskeln, und desto unnachgiebigerer Fauststoß.
  2. Starke Bauchmuskeln schützen den hinter dem Magen liegenden Solar Plexus, ein Nervenzellengeflecht, das bei einem starken Schlag einen Schock erleiden kann, der sich dem gesamten vegetativen Nervensystem mitteilt (Ohnmacht).

Während Sachverhalte wie die bisher aufgeführten sportmedizinisch untermauert und logisch nachvollziehbar sind, können einige Trainer darüber hinaus auch mit Erfahrungen aus der Bodybuilding-Szene aufwarten.

Immer auf Gesund und Körper achten

Situps mit gestreckten Beinen sind gesundheitsschädlich! Denn das Becken wird nach vorn gekippt, und die Psoas-Muskeln ziehen die Lendenwirbelsäule zusammen, so dass es zu Beschwerden im unteren Rücken kommen kann. Ein Marathon-Training der Bauchmuskeln mit hunderten von Wiederholungen kann durch Überreizung des Solar Plexus zu vegetativer Erschöpfung führen und Kraft-und Muskelzuwachs behindern.

Dehnungsübungen nach dem Kraft-Training sollten ohne Schwung erfolgen, um die Muskelkontraktionsreflexe zu „überlisten”.

Diese kurzen stichwortartigen Erfahrungen können nicht die Informationsfülle wiedergeben, die auf diesem Geboten wird. Es wurde hier nur die Oberfläche angekratzt.

2 Gedanken zu „Krafttraining im Wing Tsun Kung Fu“

  1. Zuviel Wing Tsun
    Ich bin ein Leser Ihrer Seite und selbst aktiv im Budosport tätig. Ich habe gerade Ihre beiden letzten Artikel vor mir liegen und möchte zu diesen Stellung nehmen. Obwohl Sie sicherlich die fachlich fundierteste Budoseite im deutschsprachigen Raum sind, scheinen nun auch Sie schon etwas Schwierigkeiten mit der Artikelgestaltung zu haben. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie Sie sonst auf Aktionen, wie Sie auf diesen Fragebogen für Karatekas (natürlich als Scherz gedacht) kommen. Ich persönlich finde ihn nicht gerade komisch, es scheint mir eher ein Zeichen von „Platz-ausfüllangst” zu sein, wenn ich diesen selbstgebastelten Ausdruck verwenden darf.

    Ein anderer Punkt liegt in den „Wing Tsun” Informationen. (Informationen???) Auch hier scheint Sie die Angst zu packen, dass sie die Seite nicht „voll” bekommen. Wo bleibt hier der Trend zu guten Berichten, wo nicht nur Familienfotos und ein unbezwingbarer Stil dargestellt wird. Mir kommen diese Leute, damit meine ich die Schreiber dieser Wing Tsun-Berichte vor, als ob sie uns ein schönes, kurzes Märchen erzählen wollen, natürlich schwer asiatisch angehaucht. Ich z. B. habe noch keinen Bericht gelesen, wo zum Beispiel anlässlich eines Lehrganges eines Käses oder Kanazawas der Reporter über dessen Verwandtschaftsgrade mit den anderen Budo Größen berichtet, oder über dessen geheimnisvollen Techniken, die nur sein Sohn erlernen darf. Für mich scheint in Ihrer Seite für solche Berichte kein Platz zu sein. Bei jedem zweiten Bericht das Bild mit der Holzpuppe (mit der ja auch Bruce Lee!!! trainiert hat) usw. und sofort. Die Familienfotos sind aber sehr idyllisch. Andererseits haben Sie aber auch Berichte, die Sie von anderen Budo Seiten sehr unterscheiden. Darin liegt auch der Grund, dass ich mir
    die Seite Ansehe. (Ich bin Leser seit einigen Jahren). Ich finde Ihre Homepage, auch gegenüber den anderen Seiten, auch verbessert. Fachlich gut geschildert und auch sonst gut gebrachte Reportagen mit SUPER BILDERN. Diese Berichte haben Hand und Fuß. Spaß beiseite. Diese Wing Tsun-Informationen sind schlecht. – Meine persönliche Meinung!

    Bringen Sie doch auch einmal wieder, eine Technikserie von Spitzenkaratekas und Gymnastikvorschläge. Verkürzen Sie doch die Märchenstunden (gleich mehrere Seiten werden damit ja vertan) und bringen Sie Berichte in der Form, die ich eben angesprochen habe.

  2. Zu wenig Philosophie

    Ich lese regelmäßig Ihre Homepage. Sie ist sehr interessant. Aber bei aller Vielfalt vergessen Sie doch eines, was meines Erachtens die Grundbasis in den Kampfkünsten ist: Ich meine die Philosophie. Natürlich sehe ich auch, dass dieser Hintergrund heutzutage kaum mehr gefragt ist. Es scheint wohl auch nicht mehr wichtig zu sein, für ein Erlernen von Techniken. Aber es gibt doch einige, für die der Kampfsport mehr ist als ein Kämpfen gegen den Gegner. Für mich bedeutet er ein Kämpfen mit mir selbst. Wenn Sie sich die Bezeichnungen der Kampfkünste einmal näher anschauen, werden Sie feststellen, dass fast alle den Begriff „Do” enthalten. (Ju-Do, Tae-Kwon-Do, si-ki-Do, Karate-Do etc.). Dieses „Do” wird meist mit Weg übersetzt. Es ist aber mehr ein Lebensweg, ein Wachsen, ein Reifen, nicht nur auf körperlicher Ebene. Meine Bitte ist nun: Schreiben Sie mal etwas über diese Philosophien, die Weltanschauungen jener Leute, die die Kampfkünste begründet haben. Scheuen Sie sich doch nicht, einmal auch so etwas den Lesern zuzumuten. Nicht jeder schwimmt nur an der Oberfläche.

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